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Geboren am 14.7.1940 in Eibelshausen/Dillkreis, also ein "Hesse", der aber voll in Baden-Württemberg "eingemeindet" wurde, begann bereits mit zehn Jahren seine ersten Flugmodelle zu bauen. 1959 erzielte er mit einem ferngesteuerten Segelflugmodell am Hang von Hirzenhain einen Dauerflugrekord von 6 Stunden und 11 Minuten, schon damals ein ausdauernder Flieger. Nach dem 1960 abgelegten Abitur ging er zur TH nach Darmstadt, studierte Maschinenbau, trat der dortigen Akademischen Fliegergruppe bei. In der bekannten "Darmstädter Schule" wurde er Mitkonstrukteur der "D-36". Die SHK wurde in dieser Zeit von ihm neukonstruiert und später bei der Firma Schempp-Hirth gebaut, in die Klaus Holighaus 1965 als Diplom Ingenieur eintrat. Hier konstruierte er die bekannten Segelflugzeuge Cirrus, Standard-Cirrus, Nimbus-1 und Nimbus-2, 3, 4, Ventus, Discus sowie die Doppelsitzer Janus, Nimbus-3D und Duo-Discus. Neben seiner konstruktiven Tätigkeiten und starken Inanspruchnahme in der Firma, flog Klaus Holighaus in die Spitzengruppe der weltbesten Segelflieger hinein.

 
 

Verfasser: Klaus Keim (1994)

zum Gedenken

In den Schweizer Alpen starb er gegen 19 Uhr an einer Felswand des Rheinwaldhorn am 9. August, eine halbe Flugstunde vom Ausgangsort Samaden entfernt, wo er einige Ferientage verbrachte.

Diese traurige Nachricht schockierte die internationale Segelfluggemeinde und lag wie ein Schatten auf den Wettbewerben - auch in Rieti, wo Sohn Tilo die Nachricht, dass sein Vater vermisst wird, erreichte. Der Plan von Klaus war, von Samaden nach Rieti zufliegen zu Beginn des CIM mit seinem Nimbus-4M mit dem weltbekannten Kennzeichen XX.

Trotz der Ferienzeit nahmen in seiner Wahlheimat Kirchheim 1500 Trauernde an der Beerdigung teil. Kirche und Friedhof waren viel zu klein, um diese zahlreichen Freunde zu fassen. Klaus wurde 54 Jahre alt.

Auf seiner Frau Brigitte lastet nun die Verpflichtung, sein Werk sicher in die Hände des noch so jungen Tilo zu legen.Klaus Holighaus war einer aus der berühmten Generation von jungen Studenten derAkademischen Fliegergruppen (AKAFLIEG) Darmstadt, Braunschweig und Stuttgart, die dem Segelflug, den sie schon während des Studiums betrieben, auch als Konstrukteure treu blieben. Die ersten Arbeiten mit dem neuen Baustoff GFK leistete er in Darmstadt an der D36 mit 18m Spannweite.

Er trat 1965 in den Betrieb Schempp-Hirth ein und Herr Schempp überließ ihm die Entwicklung neuer Segelflugzeuge, später auch den Betrieb.

Über die Holzkonstruktion SHK mit 17m Spannweite, die aus der Standard-Austria abgeleitet war, machte er den Schritt zum glasfaserverstärkten Kunststoff mit seiner ersten eigenen Konstruktion, dem Cirrus 18m.

In einer kräftezehrenden Leistung fertigte er den Nimbus-1 mit 22m und Wölbklappenprofil, mit dem George Moffat 1970 in Marfa Weltmeister wurde. Nun folgte der Standard Cirrus in mehreren Versionen, mit dem er den so notwendigen Grundstein des geschäftlichen Erfolges der Firma Schempp-Hirth festigte und seither die Arbeitsplätze seiner treuen Mitarbeiter sicherte.

Klaus Holighaus war ein Profi als Konstrukteur, aber das war es nicht alleine, was ihn auszeichnete:

Er verstand es wie kein Anderer in der internationalen Segelflugszene, den kaufmännischen Aspekt bei der Entwicklung und Vermarktung seiner Produkte nicht zu vergessen, und selbst aktiv vorzuleben.

So waren die Konstruktionen wohl nicht immer das maximal machbare, sondern eine clevere Mischung aus "kaufmännisch optimierter Technik". Der so notwendige Erfolg auf den Wettbewerben und im Betrieb war ihm trotzdem - oder gerade deshalb - immer sicher.

Hinzu kam noch das große Können als Wettbewerbspilot. Es gibt keinen Konstrukteur, der seine eigenen Kreationen so oft zum Sieg flog und damit auch so überzeugendes Marketing betrieb. Klaus flog oft bis an die Grenzen, doch vergaß er die Sicherheit nicht. Die Antwort, warum er oben am Berghang aufschlug, hat er mit in sein Grab genommen.

Bei seinen Vorträgen über die Fliegerabenteuer waren die Plätze immer gefüllt mit Zuhörern. Die Art, wie er die Begeisterung des Fliegens auf die Fliegerfreunde, aber auch auf Laien übertrug, kam an. Sein ganzes Engagement galt dem Segelflug. Nur eines war ihm nie vergönnt: Eine Weltmeisterschaft zu gewinnen. Er wollte es nun ein letztes Mal in Neuseeland versuchen - der Tod in den geliebten Bergen kam ihm zuvor.

Um diesen enormen Ehrgeiz, der ihn immer auszeichnete, auch auszuleben, benötigt man einen Partner der dies mit trägt:

Seine Ehefrau Brigitte verstand es in bewundernswerter Weise, Ehefrau, Mutter zweier Söhne, Berater, Tröster, Psychologe und immer wieder Mannschaft auf vielen Wettbewerben rund um den Globus zu sein. Eine starke sympathische Persönlichkeit, der heimliche Mittelpunkt einer intakten, glücklichen Familie.

Bei Schempp-Hirth bildete sich, besonders nach dem tragischen Ende von Eugen Hänle und seiner Firma Glasflügel, ein Team. Dieses Team verstand er immer zu begeistern und mit den Konstrukteuren Treiber und Schott und den hervorragenden Fachkräften bei Schempp-Hirth die Flugzeuge technisch und qualitativ immer weiter zu optimieren.

Unter diesem Team entstanden der Ventus, der Nimbus-2, Mini-Nimbus, Nimbus-3 sowie der berühmte "Dauerbrenner ", der doppelsitzige Janus in 4 Variationen. Der Janus diente auch dazu, die Möglichkeiten des neuen Werkstoffs Kohlefaser anzuwenden, um dann mit dünneren Profilen einen Leistungssprung zu machen. Er hatte in Dieter Althaus mit "seinem" Windkanal in der Universität Stuttgart den idealen Partner, solide Basisarbeit zu machen, bevor die neuen Profile in die Formen kamen. Als durchschlagender Erfolg erwies sich der Discus mit der zunächst riskanten Flügelgeometrie, der seit nun 8 Jahren Maßstab in der Standardklasse ist.

Es folgten der Nimbus-3D und -3DM, sowie schlussendlich als Krönung der Nimbus-4 mit 26.5m Spannweite, natürlich wie so oft wieder mit dem kaufmännischen Aspekt, damit auch gleich den Flügel für einen neuen Doppelsitzer im "Vorrat" zu haben. In den vergangenen 2 Jahren entstanden bei Schempp-Hirth eine Reihe von neuen Mustern in atemberaubendem Tempo:

Der erfolgreiche Schul- und Leistungsdoppelsitzer Duo Discus, sowie der neue Nimbus-4D und -4DM. Als Ablösung des berühmten Ventus nun ein ganz neuer Flügel, mit neuem Profil und Geometrie für den Ventus-2- in 15 oder 18m Spannweite. Es mutet fast an, Klaus Holighaus ahnte sein nahes Ende und holte seine letzte so bekannte Energie zusammen. Bei Schempp-Hirth gibt es jetzt eine Palette von Segelflugzeugen und Motorseglern, die fast alles abdeckt, was der Segelflug - Weltmarkt verlangt.

Im Sommer 1994 flogen alle neuen Typen - aber es bleibt noch viel Detail- und Zulassungsarbeit für das berühmte Team, das nun mit der Verpflichtung weiterarbeitet, so gut zu sein wie in den letzten Jahren, auch ohne den Antrieb Klaus Holighaus, den verehrten Chef.

Er hat ein gutes Erbe hinterlassen: Söhne mit der richtigen Einstellung, ein finanziell solides Unternehmen und eine motivierte, treue Mannschaft.

Besonders in den letzten Jahren umsorgte und unterstützte er auch zunehmend den starken Nachwuchs im C-Kader in Deutschland, als Trainer und Initiator bei finanziellen Engpässen.

Die Ergebnisse der letzten Meisterschaften zeigten den Erfolg: Die deutschen Meister 1994 sind zwischen 24 und 29 Jahre alt! In Neuseeland wird eine Lücke im Starterfeld sein. Klaus Holighaus bleibt für immer eine der wirklich großen Persönlichkeiten des internationalen Segelflugs.

Klaus Keim

 

 
 

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