10.09.2018

Helmut Treiber mit dem OSTIV-Prize ausgezeichnet

Beim diesjährigen OSTIV-Treffen in Hosín wurde Helmut Treiber mit dem OSTIV PRIZEM, der höchsten wissenschaftlichen Auszeichnung der Segelflugwelt, für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Beim jährlichen Schempp-Hirth Mitarbeiter-Sommergrillfest gratulierten ihm Brigitte, Ralf und Tilo Holighaus zu dieser verdienten Auszeichnung und dankten ihm für seinen Einsatz.

(siehe auch OSTIV website)

Dipl. Ing. Helmut Treiber hat sich während seiner Zeit in der Akaflieg Braunschweig und bei Schempp-Hirth Flugzeugbau unter anderem um die Einführung der Kohlenstoff-Faser in den Segelflugzeugbau und auch um die Anerkennung der entsprechenden Kennwerte (Festigkeit, Lebensdauer) bei den Zulassungsbehörden bemüht. In Fachkreisen bekannt sind auch seine Arbeiten während seiner Akaflieg-Zeit zum Thema "Flattern". 

Als diplomierter Ingenieur konnte Helmut Treiber im Rahmen eines Forschungsvorhabens an der Entwicklung der SB 10 maßgeblich mitarbeiten und im Zuge dieser Arbeiten auch die Kohlenstoff-Faser zum ersten Mal in einem tragenden Bauteil (SB 10 Innenflügel) bei einem Segelflugzeug einführen. Dazu wurden neben der praktischen Werkstatt-Arbeit an der SB-10 in der Akaflieg auch die Grundlagen für die Nutzung der Kohlenstoff-Faser zusammen mit Dieter Mühlhahn erarbeitet.

Nach seiner aktiven Zeit bei der Akaflieg Braunschweig begann er Ende 1972 seine Beschäftigung bei Schempp-Hirth Flugzeugbau GmbH. Dort wurde mit ihm in Zusammenarbeit mit Dipl. Ing. Eberhard Schott (Akaflieg Stuttgart, fs-29) der Nimbus-2 Innenflügel mit Kohlenstofffasern ausgelegt und gebaut. Dieser Innenflügel wurde beim DVFLR in Stuttgart (heute DLR) einem Betriebsbelastungsversuch unterzogen. Als Ergebnis konnte die Lebensdauer von Kohlefaser-Konstruktionen auf 6000 h erhöht werden.

Die Kohlenstofffaser wurde dann zum ersten Mal serienmäßig ab 1978 beim Nimbus-2C und dem Mini-Nimbus C eingesetzt. Dank der neuen Fasertechnologie konnte bei höherer Biegesteifigkeit und geringerer Flügelverdrehung im Schnellflug gegenüber der Ausführung aus Glasfaser deutlich Gewicht eingespart werden. Durch die Verwendung der Kohlenstofffaser war damit auch der Weg zu dünneren, leistungsfähigeren Flügelprofilen möglich, wodurch ein weiterer Leistungssprung im Segelflug eingeleitet werden konnte.

Um die weiteren Arbeiten für die Zulassung neuer Faserverbundwerkstoffe besser zu koordinieren, wurde im Februar 1978 der "Arbeitskreis Neuartige Faserverbundwerkstoffe" (kurz ANF) ins Leben gerufen. Dipl. Ing. Helmut Treiber war dabei eines der Gründungsmitglieder. Im Laufe der Jahre wurden im Rahmen des ANF verschiedene Forschungsprogramme durchgeführt, die zu einer weiteren Verbesserung der Faserverbundwerkstoffe geführt haben. Dies führte schließlich im Jahre 1990 dazu, dass die Lebensdauer von Kohlenstofffaser-Holmgurten auf 12000 h erhöht werden konnte. Die in diesem Rahmen ermittelte Lebensdauer und die damit verbundenen Festigkeitswerte gelten seitdem für alle Segelflugzeug-Konstruktionen der deutschen Segelflugzeug-Hersteller.

Mit dem OSTIV-Prize werden Menschen mit für außergewöhnliche Verbesserungen in der Technologie des Segelflugzeugbaus ausgezeichnet. Zusammen mit Helmut Treiber wurden auch noch Armin Quast, Karl-Heinz Horstmann und Fritz Kießling für Ihre Errungenschaften im Segelflugzeugbau ausgezeichnet. Wir gratulieren und danken allen recht herzlich!