Sailplane and Sky
08.01.2016

Den zwei erfahrenen Piloten ist wahrscheinlich der (nach Kilometern) längste Flug in Südafrika gelungen. Wir gratulieren zu diesem spektakulären Flug.

Den zwei erfahrenen Piloten ist wahrscheinlich der (nach Kilometern) längste Flug in Südafrika gelungen. Wir gratulieren zu diesem spektakulären Flug.

Hier der Flug im OLC.

Hier der der Bericht der beiden Arcus Piloten:

Kuruman, Südafrika: Vorhergesagt ist ein richtig guter Tag für den 02.01.2016. Ein vollständig bedeckter Himmel aus breitgelaufenen CU lässt uns am Vorabend jedoch noch zweifeln. Morgens ist allerdings die komplette Bewölkung des Vortages weg. Nach einem frühen Start um 09:40 Uhr bringt uns die erste Thermik gleich auf 3.800 m NN (bei einer Geländehöhe von etwa 1.300 m NN). Die ersten 260 km führen unter CU nach Süden zur ersten Wende in Prieska, die wir um 12:00 Uhr erreichen. Die  Schnittgeschwindigkeit auf diesem Schenkel liegt bei 120 km/h. Weiter zur 2. Wende knapp hinter Vryburg im Nordwesten. Wir planen jetzt ein 1.100 km FAI Dreieck mit Start auf dem Schenkel. Für die knapp 400 km bis hinter Vryburg brauchen wir 2h 37min, was einen Schnitt von 149 km/h ergibt. Wir stellen fest, dass wir nun schon mehr als die Hälfte der Strecke zurückgelegt haben und es gerade mal 14:37 Uhr ist. Die nächsten 280 km führen uns weit nach Botswana in ein fast unbewohntes Buschland. Wir wenden um 16:30 Uhr mit einem Schnitt von 155 km/h auf dem letzten Schenkel. Nach Kuruman zurück sind es noch knapp 200 km, Sonnenuntergang ist in 3 Stunden. Wir nutzen die Zeit und fliegen über unseren Zielpunkt hinaus unter einer Konvergenzlinie bis Sonnenuntergang. Zurückgelegte Distanz sind 1.370 km mit einem FAI Dreieck von 1.100 km.

Solche Flüge sind selbst in den Segelflugzentren in Namibia selten, für Südafrika stellt dieser Flug jedoch wahrscheinlich den größten veröffentlichten Flug nach km dar. Woher kommt diese neue Leistungsdimension in der Doppelsitzer Klasse, die durch etliche Flüge - unter anderem dokumentiert im Online Contest - belegt wird?

Lange Zeit waren Flüge dieser Größe eine Spielwiese der Offenen Klasse. Konnten doch diese Flugzeuge dank ihres geringen Eigensinkens ihre Leistungen gerade dann ausspielen, wenn andere Segelflugzeuge noch nicht oder nicht mehr sinnvoll Strecke machen konnten. Moderne Konstruktionen in der Doppelsitzer Klasse haben hier allerdings einen Paradigmenwechsel eingeläutet. Bei ähnlichen Abfluggewichten erreicht man Flächenbelastungen von deutlich über 50 kg/m2 und so ergeben sich im Vergleich zur Offenen Klasse sehr gute Schnellflugeigenschaften. Gleichzeitig liefern moderne Profile ein geringes Eigensinken, das für die schwächeren Phasen des Tages benötigt wird. Gerade diese Eigenschaften machen diese Flugzeuge interessant für schnelle Wetterlagen, wie man sie in Afrika oder in Spanien häufig erlebt. In beiden Fällen wird die Flugstrecke meistens nicht durch Thermikende bedingt, sondern durch Sonnenuntergang. Hohe Schnittgeschwindigkeiten bis Tagesende sind in diesen Regionen meist üblich.

Zusammen mit dem einfachen Handling - sowohl in der Luft als auch am Boden - ergibt sich besonders mit dem Zwei-Piloten-Team im Cockpit ein riesiges Potential für große Flüge.

Karin Wiesenthal, Markus Geisen